Anmerkungen zu Zyklen

843 - 863
Illustrationen zu „Gyges und sein Ring“ nach Herodot

Die Eintragungen im Tagebuch Baumeisters belegen die Entstehungszeit. Am 9.4.1943: »Illustrationen zu Gyges fertiggezeichnet. Am 1. und 2.5.1943: „10 Illustrationen zu Gyges nach Herodot beendet.“ „Alte Texte passen schwer in unsere Zeit. Gyges mit zu enger moralischer Anschauung über das Sehen einer Frau ohne Kleider. Ich müßte selbst Texte verfassen.“

Im Nachlaß findet sich dazu ein eigenhändig getippter Text, der die einzelnen Zeichnungen nummeriert aufführt. Es sind 10 Blätter vorgesehen, zu denen Baumeister selbst den Inhalt mit offenbar eigener Formulierung angibt. Ein Titelblatt außerhalb des Textes wird nachträglich von ihm ausgeschieden. Es heißt dort: „Titel ungefähr: Gyges nach Herodot mit Bildern nach vor- und frühgriechischen Motiven von mykenischen, kretischen, zyprischen Wandbildern, Reliefs auf Stelen, Statuetten der sogenannten Inselkunst und Siegelzylindern.“

Dazu hat sich ein Skizzenbuch erhalten, in dem die einzelnen Szenen in Umrißzeichnung entworfen sind – stilistisch eher eine Rückbesinnung auf die Linienfiguren der 30er Jahre. Die einzelnen, aus dem Skizzenbuch gelösten Blätter folgen unter Nummer 843. Zunächst sechs Blätter in der Reihenfolge der Illustrationen von 1 -6, die folgenden beiden Blätter sind mit 7 und 8 nummeriert, obwohl sie beide eher der Nummer 8 zugehören, wie auch das letzte, von Baumeister ausgeschiedene. Das im Skizzenbuch mit 9 bezeichnete Blatt hat keinen Bezug zur ausgeführten Folge, wohl aber das danach folgende zur Illustration 9 sowie das nächste mit der Pythia zu Nummer 10 der ausgeführten Serie.


 

864-927
Illustrationen zu „Gilgamesch“

Als zweiter Illustrationszyklus wurde „Gilgamesch“ begonnen. Im Tagebuch des Jahres 1943 heißt es dazu am 1. und 2.5.: „Illustrationen zu Gilgamesch teils in Urach teils in Stuttgart begonnen. Alte Texte passen schwer in unsere Zeit.“ Am 5.6.: „Zeichnungen zu Gilgamesch abgeschlossen.“ Am 2.8.: „...nochmals Gilgamesch-Illustrationen. Esther und Sturm überarbeitet durch neue Fassungen einiger Blätter. Mit Gyges liegen nun vier Illustrationsfolgen vor.“

Baumeister zählt noch 72 Blätter. Offensichtlich hat er später eine andere Auswahl getroffen und weitere Blätter ausgeschieden. Heute gehören zum Zyklus 64 Blätter. Baumeister benutzte die Textausgabe von Georg E. Burckhardt, die im Insel Verlag 1916 erschien. Auf den einzelnen Blättern ist die Textstelle nach der betreffenden, in römischen Ziffern durchnummerierten Tafel zitiert, die entsprechende Seite der Insel-Buchausgabe mit arabischen Ziffern dahinter. Zusätzlich hat Baumeister selbst den Text mit der Schreibmaschine abgeschrieben und in vielen Fällen den Zeichnungen hinterklebt. Daher konnten eine große Zahl ausgeschiedener Blätter und Varianten der einzelnen Illustrationen wieder aufgefunden und den kanonischen Blättern zugewiesen werden. Dieser Zyklus der 64 Illustrationen steht hier im Werkverzeichnis unter den Nummern 864-927; die zugehörigen Varianten und ausgeschiedenen Fassungen sind angeschlossen.

Die bereits in den ersten Blättern der Gilgamesch-Folge erreichte Perfektion der Wisch- und Durchreibetechnik auf Ingrespapier läßt darauf schließen, daß es frühere - nicht mehr nachweisbare - Versuche in dieser Technik gegeben haben dürfte. - Zur künstlerischen Bedeutung des Zyklus, der im zeichnerischen Werk Baumeisters einen absoluten Höhepunkt bezeichnet, vgl. die Einführung von Werner Haftmann zur Faksimile-Ausgabe, DuMont Köln 1976.

Stuttgart, Staatsgalerie, Graphische Sammlung, Leihgabe des Stuttgarter Galerievereins, Inv.Nr. GVL 214,1-64

Textzitate:
Römische Ziffern geben die Tafeln an, arabische die Seitenzählung nach der Ausgabe: Gilgamesch
Eine Erzählung aus dem alten Orient 
Zu einem Ganzen gestaltet von Georg E. Burckhardt 
Insel Verlag Leipzig o.J. (1916).
Die von Baumeister eigenhändig mit Bleistift angegebenen Zitate bezeichnen in der Regel mit römischen Ziffern die Tafel, mit arabischen Ziffern die Zahl der Illustrationen zu der betreffenden Tafel.

Literatur: Werner Haftmann, Willi Baumeister Gilgamesch, Köln, 1976

Ausstellungen: Hamburg, Museum für Kunst und Gewerbe, Gilgamesch, 1964-Stuttgart, Staatsgalerie, Graphische Sammlung, willi baumeister 1889-1955. Die fünf Zeichnungs-Folgen aus seiner Uracher Zeit 1943-1945 Gilgamesch - Saul – Esther –  Salome – Tempest, bearbeitet von Heinrich Geissler, 1965/66-Tübingen, Kunsthalle, Willi Baumeister, Zeichnungen und Gouachen, 1975 - München, Staatliche Graphische Sammlung, 25.11.76-23.1.77 - Stuttgart, Staatsgalerie, Graphische Sammlung, Zeichnungen des 19. und 20. Jahrhunderts, 1984.


 

1073-1167
Die Illustrationsfolge zum Buch Esther, Altes Testament

Die Tagebucheintragungen Baumeisters geben die Entstehungszeit an: Am 10. 6.1943: „Sa, So, Mo, Di vormittag in Urach. Ich habe Notizen über Esther aus Bibel gemacht und diese mitgenommen. So ging das Zeichnen der freien Illustrationen gut vorwärts. Regenwetter ließ keine Abhaltung aufkommen. Einige Zeichnungen, die von Gilgamesch nicht verwendet worden waren, konnten hier verwendet werden. Wenige sind nach vorhandenen Bildern. Die überwiegende Mehrzahl der Zeichnungen gelang fast ohne Korrektur, einige mußten wiederholt werden. Nach Rückkehr nach Stuttgart noch einiges verworfen und neu gezeichnet. Esther hat nun 26 Zeichnungen meist auf getöntem Papier. Ich habe mit großem Vergnügen gezeichnet“. - Am 2. 8.1943: „Nochmals Gilgamesch Illustrationen, Esther und Sturm überarbeitet, durch neue Fassungen einiger Blätter“.


 

1168-1243 
Illustrationen zu Saul

Die Illustrationsfolge „Saul“ nach dem Buch Samuel, Altes Testament, ist gleichfalls im Jahr 1943 entstanden. Im Tagebuch notierte Baumeister:
13. 9.1943: „Illustrationen zu Saul nach dem BibelText.“
29.11.1943: „Illustrationsfolge Saul, 44 Blätter sind fertig.“
29.12.1943: „Saul ca. 42 Blätter.“

Hier ist „Saul“ vor dem „Sturm“ mit 44 Blättern aufgeführt. Auf Grund folgender Notiz im Tagebuch vom 2.8.1943: „Nochmals Gilgamesch-Illustrationen, Esther und Sturm von Shakespeare, überarbeitet durch neue Fassungen einiger Blätter. Mit Gyges liegen nun 4 Illustrationsfolgen vor“, ist anzunehmen, daß zu dieser Zeit „Saul“ noch nicht illustriert war, sondern daß die Zeichnungen erst, wie die späteren Eintragungen bezeugen, zwischen September und November 1943 entstanden. Inhaltlich und formal schließen sich die Saul-Illustrationen an die Gyges-, Gilgamesch- und Esther-Folgen an. Der „Sturm“ wurde erst im Anschluß an „Saul“ fertiggestellt.

Festzuhalten ist, daß an einigen Blättern der „Saul“-Folge, so z. Baumeister bei den Nummern VIII, IX , X , auch der Nummer XI, sowie der Nummer XXXVII ein Illustrationsstil zu bemerken ist, der auch der „Sturm“-Folge ihren besonderen Charakter verleiht: Surrealistische Vieldeutigkeit und Assoziationskraft.


 

1244-1344
Illustrationsfolge "Sturm"

Die Zeichnungen zu Shakespeares Drama „Sturm“ unterscheiden sich in Stil und Technik wesentlich von Baumeisters anderen Illustrationsfolgen. Den verstärkten graphischen Charakter der Kompositionen unterstützen häufigere Rasuren, die Wischungen sind zarter. Die Formen und Figurationen wirken leicht und schwerelos und evozieren so die geisterhaft-irreale Stimmung der literarischen Vorlage. Baumeister übersetzt die bildhafte, assoziative Sprache des englischen Dichters teilweise „wörtlich“ in sein Medium. In dem benutzten Textbuch (es handelt sich um die Schlegelsche Übersetzung in der Bearbeitung von Hermann Conrad, Insel Verlag, Leipzig 1921) hat er die illustrierten Textstellen unterstrichen, teilweise mit eigenen Titeln versehen und durchnummeriert.

Die von Baumeister redigierte Zeichnungsfolge wurde geschlossen vom Land Baden-Württemberg erworben. Sie lag dem Verleger Gerd Hatje zur Reproduktion für seine englischsprachige Ausgabe vor. Allerdings sind bereits in dieser von Baumeister zusammengestellten Folge Blätter enthalten, die nicht im Druck berücksichtigt wurden. Sie blieben jedoch Teil der Serie. Für die im Winter 1946/47 gedruckte Edition wurden 10 Vorzugsexemplare hergestellt, die originale Handzeichnungen Baumeisters enthielten. Es ist anzunehmen, daß diese Blätter erst zu dieser Zeit gezeichnet wurden. Sie sind, da sie sich in Stil und Inhalt an die Folge aus dem Jahr 1943 halten, bei den Varianten eingeordnet.


 

1345-1350
Illustrationen zu Tolstois Novelle „Die drei Greise und der Bischof“.

Eintrag Baumeisters im Tagebuch am 29.12.1943: „Als Resümee über die Arbeit des vergangenen Jahres ist entstanden Gyges nach Herodot, 10 Blätter, Gilgamesch 72 Blätter, Esther 33 Blätter, Saul ca. 42 Blätter, beide aus der Bibel, Sturm von Shakespeare 44 Blätter, Illustrationen meist nach den Wortbildern humoristisch, die drei Greise von Tolstoi 4 Blätter und teils größere, selbständige Zeichnungen.“ - Textgrundlage war die im Insel Verlag zu Leipzig (o. J.) Nr. 68 erschienene Ausgabe der „Volkserzählungen von L. N. Tolstoi“ (Archiv Baumeister), (fkb)

Im Nachlaß Baumeisters befinden sich 6 Zeichnungen, die auf diesen Illustrations-Zyklus zu beziehen sind. Die Blätter Z 1345 und Z 1346 variieren das gleiche Thema.

Z1347 bietet ebenfalls eine Variante. Z 1348 ist wohl in einem frühen Stadium des Illustrationswerks dem Freunde Rasch geschenkt worden. Z 1350 ist eine durch das große Format herausgehobene Arbeit, die dem Zyklus der kleinformatigen Illustrationen nicht zuzurechnen ist.


 

1351-1392
Illustrationszyklus „Salome“

Die Tagebuchnotizen Baumeisters geben keine Hinweise auf die Entstehung dieser Illustrationen; auch im Resümee vom 29.12.1943, das alle bis dahin entstandenen Zyklen aufführt, wird der der „Salome“ nicht erwähnt. Man könnte also annehmen, daß „Salome“ erst im Jahr 1944 illustriert wurde. Dem widersprechen die Datierungen auf einigen Blättern der Folge, die allerdings auch erst nachträglich erfolgt sein können. - Laut Auskunft von Heinz Rasch sind die „Salome“-Blätter ungefähr gleichzeitig mit den „Gilgamesch“-lllustrationen 1943 entstanden. (fkb)

Die Textvorlage ist nicht bekannt. Vermutlich hat Baumeister das Buch von Oscar Wilde benutzt. - Im Nachlaß befindet sich eine Ausgabe der „Salome“ von Oscar Wilde, doch ohne Baumeisters typische Randnotizen. (fkb)
Die jetzige Ordnung der Blätter folgt der Handlung nach Oscar Wilde, gestützt auf mit Schreibmaschine beschriebene Zettel, die den Blättern angeklebt sind. Auf ihnen werden nur die handelnden Personen und damit die Szenen bezeichnet. Die Beschriftung auf Z 1387 gibt mehrere Quellen an: „Tanz der Salome, Illustrationsfolge. 10-12 Blätter nach Matthäus oder Flaubert (Herodias) oder Wilde (Salome)“. „Tanz der Salome“ war offensichtlich als Titel der ganzen Folge vorgesehen, vielleicht wurde Z 1387 sogar als Titelblatt konzipiert.

So wie einzelne Kompositionen der „Gilgamesch“-Folge 1947 für die Lithographienmappe der „Sumerischen Legenden“ wiederverwendet wurden, so ist auch der „Salome“-Zyklus 1946 für eine Mappe mit 12 Farblithographien „Salome und der Prophet“ neu redigiert worden. Es ist anzunehmen, daß einige Varianten erst in diesem Zusammenhang entstanden. Durch diese späteren „Neuauflagen“ wie auch auf Grund der fließenden Übergänge zwischen den 1943 entstandenen Illustrationszyklen untereinander entstehen Unsicherheiten in bezug auf Titel und Datierung, die nicht immer zu beheben sind.


 

1393-1409
Illustrationen zu griechischen Themen

Auf den Blättern 1393-1409 sind Illustrationen erhalten, die sich auf griechische Themen beziehen. Gestützt auf äußere Kennzeichen und eigenhändige Datierungen lassen sich verschiedene Untergruppen feststellen.

Z1393-1399 gehören auf Grund der Collagetechnik und der Montierung zusammen. Die Nummern 1400-1402 stehen sich formal und inhaltlich nahe, ebenso die Nummern 1403-1409. Einige sind in das Jahr 1948 datiert. Im Nachlaß Baumeisters befindet sich ein auf den 20.4.1949 datierter Konzeptzettel, der vielleicht mit diesen Blättern in Verbindung gebracht werden kann: „Athene / Pylades / Iphigenies diese mit einer Klammer und dem abgekürzten Wort „Mythologie“ verbunden, daneben: „Natur-Weisen Stoiker / monumental / Kultur“, darunter: „klassizistisches Haus am Meer“ / „Orest Mensch-Akt“